1. Die Zeitwörter hiæ ,gehen` und jìæ ,fahren` werden im sorbischen unregelmäßig gebeugt:
| Einzahl | Zweizahl | Mehrzahl | |
|---|---|---|---|
| 1. | du | d¼emoj | d¼emy |
| 2. | d¼e¹ | d¼etej | d¼eæe |
| 3. | d¼e | d¼etej | du |
| Einzahl | Zweizahl | Mehrzahl | |
|---|---|---|---|
| 1. | jìdu | jìd¼emoj | jìd¼emy |
| 2. | jìd¼e¹ | jìd¼etej | jìd¼eæe |
| 3. | jìd¼e | jìd¼etej | jìdu |
2. Tritt eine Vorsilbe vor den Gegenwartsstamm von hiæ, so erhält dieser ein ñ vorangestellt, also du ,ich gehe, komme`, dóñdu ,ich gelange hin`, zañdu ,ich vergehe`, rozeñdu ,ich gehe auseinander` usw.
3. Wie die anderen slavischen Sprachen unterscheidet auch das Sorbische bei den Zeitwörtern der Bewegung zwischen Zeitwörtern der bestimmten (determinowany) und der unbestimmten (njedeterminowany) Bewegung. Die Paare sind:
hiæ ip 1. sg du gehen; chod¼iæ ip gehen
bì¾eæ ip 1. sg bì¾u laufen; bìhaæ ip laufen (herumlaufen); æìriæ ip treiben, jagen (herumlaufen); hanjeæ ip 1. sg hanjam rennen (herumrennen)
jìæ ip 1. sg jìdu fahren; jìzd¼iæ ip fahren (herumfahren)
wjezæ ip 1. sg wjezu fahren (befördern); wozyæ ip 1. sg wo¾u fahren (befördern)
wjesæ ip 1. sg wjedu 2. sg wjed¼e¹ führen; wod¼iæ ip führen (herumführen)
leæeæ ip 1. sg leæu fliegen; lìtaæ ip fliegen (herumfliegen), flattern
lìzæ ip 1. sg lìzu kriechen, klettern; ³azyæ ip 1. sg ³a¾u kriechen (herumkriechen), klettern (herumklettern)
njesæ ip 1. sg njesu tragen; nosyæ ip 1. sg no¹u tragen (herumtragen), tragen (Kleider)
4. Die Zeitwörter der bestimmten Bewegung drücken eine gerichtete Handlung oder eine gerade stattfindende Handlung aus, z. B. Hañ¾a d¼e do mìsta ,Agnes geht in die Stadt`, jìd¼emy nìtko do Kulowa ,wir fahren jetzt nach Wittichenau`.
5. Die Zeitwörter der unbestimmten Bewegung bezeichnen eine Fähigkeit, eine ungerichtete (im Deutschen meist durch ,herum-` wiederzugeben) oder eine sich gewohnheitsmäßig wiederholende Handlung, z. B. wowka je chora, ale hi¹æe chod¼i ,die Großmutter ist krank, aber sie kann noch laufen (aber sie geht noch)`, Mìræin a Jana cy³y d¼eñ po zahrod¼e bìhatej ,Martin und Jana laufen den ganzen Tag im Garten herum`. Man vergleiche: Hañ¾a do ¹ule chod¼i ,Agnes geht zur Schule (= ist im Schulalter)` und Hañ¾a do ¹ule d¼e ,Agnes geht zur Schule (= ist im Moment unterwegs)` sowie Hil¾a kapu njese ,Elisabeth trägt eine Jacke (= auf dem Arm oder in einer Tasche)` und Hil¾a kapu nosy ,Elisabeth trägt eine Jacke (hat eine Jacke an)`.
6. In festen Wendungen wird das gerichtete Zeitwort nie durch das ungerichtete ersetzt, auch wenn die Handlung usuell ist, z. B.: na¹e koko¹e kó¾dy d¼eñ jejka njesu ,unsere Hühner legen jeden Tag Eier` ( Jejka no¹a hieße ,tragen Eier durch die Gegend`), wón jara husto myd³o wjeze ,er verschwindet oft, drückt sich oft` ( myd³o wozy hieße nur ,fährt Seife aus`), lìwe durje pøeco do chì¾e wjedu ,die linke Tür führt immer ins Haus`.
7. Man beachte die Zweizahl bzw. Mehrzahl in Wendungen der Art mój z nanom ,ich mit dem Vater`, my ze star¹imaj ,ich/wir mit den Eltern`, bei denen im Deutschen die Einzahl steht. Diese Formen können nur verwendet werden, wenn das Verhältniswort z ,mit` eine Begleitung und nicht ein Werkzeug bezeichnet, so daß für ,ich mit meinem Fahrrad` nur ja z kolesom gesagt werden kann, also die Einzahl verwendet werden muß.
8. Unbestimmte Fürwörter werden im Sorbischen durch die Vorsilbe nì- aus dem entsprechenden Fragewort gebildet, z. B.: nìkak pron irgendwie
nìhd¼e pron irgendwo
nì¹to pron etwas, irgendetwas
nìhdy pron irgendwann, einst
Unregelmäßig ist nur nìchtó pron irgendwer, jemand
lìtnik m Jahrgang, Klasse; bus m Bus; boleæ 3. sg boli schmerzen, weh tun; daloki adj weit; æah m Zug, Bahn; tobo³a f Tasche; wìc f Sache; pøewulki adj zu groß; mazany adj dreckig, schmutzig; pøemazany adj zu dreckig, zu schmutzig; Pawo³ m Paul; nìhd¼e adw irgendwo; womazaæ so p sich schmutzig machen ; bruk m Käfer; mrowja f Ameise; wosa f Wespe; schód m gen sg schoda Treppe, Aufgang; dele adw hinab, herab, herunter, hinunter; padnyæ (das d ist stumm) p fallenz³amaæ p brechen; strowy adj gesund; d¼ìæacy adj Kinder-; wóz m gen sg woza Wagen; d¼ìæacy wozyk m Kinderwagen; B³óta plt Spreewald; èo³mik m dim Boot, Kahn; wi¹nina f Kirschbaum; ¹kowronèk m Lerche; ³astojèka f Schwalbe; ¹kórc m Star; wrobl (das w ist stumm) m Spatz, Sperlingpøeæelny adj freundlich; Budyski adj Bautzener; drasta f Kleidung, Kleider; pøez +4. prep über, durch; mjeztym adw mittlerweile, inzwischen; mó¹nja f Geldbörse; æìriæ ip treiben; domoj adw heim, nach Hause; wuspaæ so p ausschlafen; pastwa f Weide; bì¾eæ ip laufen; nìchtó gen sg nìkoho (wird wie ¹tó gebeugt) pron jemandkradnyæ p stehlen; d¼iwad³o n Theater; kurjenc m Hühnerstall; koko¹ f Huhn; jìsæ 1. sg jìm 2. sg jì¹ 3. sg jì 1. du jìmoj 2. du jìstej 3. du jìstej 1. pl jìmy 2. pl jìsæe 3. pl jìd¼a essen; bo¾emje adw Auf Wiedersehen
z mó¹nje jìsæ von der Hand in den Mund leben
1. Mój ma³y bratr Jank praji: ,,Bo¾emje,ja du nìtko do ¹ule.`` 2. Jank chod¼i hi¾o do druheho lìtnika. 3. Njemó¾u d¼ensa do mìsta bì¾eæ, ale dyrbju z busom jìæ, dokel¾ mje prawa noha boli. Hewak pøeco bìham. 4. Ma³a Hanka bìha a skaka po zahrod¼e, dokel¾ so jej derje wjed¼e. 5. ,,Chcu do Berlina leæeæ!`` praji Mìræin. Maæerka wotmo³wi: ,,Do Berlina tola njeje daloko. To mó¾emy z awtom abo z æahom jìæ.`` 6. Hañ¾a, mó¾e¹ mi pro¹u pomhaæ tu æe¾ku tobo³u njesæ? 7. Bo¾ena praji swojej æeæe: ,,Te wìcy njeno¹u, te su mi pøewulke a pøemazane.`` 8. Lózy Pawo³ na ¹tom lìze. Maæerka to wid¼i a wo³a: ,,Pøeco ty nìhd¼e ³azy¹. Ty so womaza¹! Na ¹tomach tola bruki a mrowje ³a¾a. A na kóncu æe hi¹æe wosa ka³nje!`` 9. Jana bì¾i po schod¼e dele, padnje a sej lìwu nohu z³ama. Nìtko wjace bìhaæ njemó¾e. 10. Nan jìzd¼i po mìsæe a pyta dom swojeho wnuka. 11. Jìzd¼imoj z Janom stajnje z kolesom, dokel¾ je to jara strowe.
12. Der kleine Sohn der Freundin meiner Mutter kann noch nicht laufen. Darum fährt sie ihn im Kinderwagen herum. 13. Wir fahren mit dem Bus in den Spreewald und wollen dort mit dem Boot herumfahren. Wir fahren oft deshalb in den Spreewald. 14. Um den großen Kirschbaum meiner alten Großmutter fliegen Lerchen, Schwalben, Stare und Spatzen. 15. ,,Darf ich Sie über die Straße führen?`` fragt der freundliche Junge die Großmutter. 16. Ich möchte meine Eltern durch die Altstadt von Bautzen führen und ihnen etwas über die Geschichte der Stadt erzählen. 17. Hanka trägt immer neue Kleider. Sie kauft ständig neue und hat deshalb nie Geld. Mittlerweile lebt sie von der Hand in den Mund. 18. Der fleißige Onkel treibt unsere bunten Kühe heim, denn es ist schon spät und sie müssen schlafen. Sonst können sie morgen nicht auf der Weide herumlaufen, weil sie jemand stiehlt. 19. Jeden Morgen befördert der Bus die Jungen und Mädchen in die Schule und nach der Schule wieder nach Hause. 20. Heute abend will ich mit dem Vater ins Theater gehen. 21. Diese Tür führt in den Hühnerstall; dort legen unsere fleißigen Hühner jeden Tag viele Eier.
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