19. - Aspekt

1. Das Zeitwort verfügt im Sorbischen wie in den anderen slawischen Sprachen über den sogennanten Aspekt, der entweder imperfektiv oder perfektiv ist (in den Wortlisten mit ip bzw. p bezeichnet).

2. Der imperfektive Aspekt (imperfektiwny aspekt) kennzeichnet eine Handlung als im Verlauf befindlich, ohne Hinblick auf ihr Ergebnis, z. B. nan nowiny èita ,der Vater liest Zeitung`, hólcaj kopañcu hrajetej ,die (beiden) Jungen spielen Fußball`. Der imperfektive Aspekt wird stets verwendet, wenn eine Handlung im Moment, über den man spricht, gerade im Verlaufe befindlich ist sowie nach Zeitwörtern des Anfangens und Beendens. Ferner verwendet man ihn oft, wenn über eine sich oft wiederholende oder gewohnheitsmäßige Handlung gesprochen wird, wenn man jemandem von einer Handlung abrät oder über den erfolglosen Versuch redet.

3. Der perfektive Aspekt (perfektiwny aspekt) betrachtet eine Handlung als Ganzes, er bringt zum Ausdruck, daß die Handlung irgendein Ergebnis hatte oder haben wird. Meist kann man die Gegenwartsformen des perfektiven Zeitworts im Deutschen durch Zukunftsformen wiedergeben, z. B. nan nowiny pøeèita ,der Vater wird die Zeitung durchlesen`, holca list napisa ,das Mädchen wird den Brief schreiben`.

4. Welchen Aspekt ein Zeitwort hat, läßt sich nicht sicher erkennen; man muß es lernen. Die imperfektive und perfektive Ensprechung -- wenn es beide gibt -- können sich unterscheiden durch:

Im allgemeinen sind Zeitwörter mit Vorsilben und solche, die auf -nyæ endigen, perfektiv. Die einzigen imperfektiven Zeitwörter auf -nyæ sind æahnyæ ip ziehen; wuknyæ ip lernen; wjadnyæ ip welken; mjerznyæ ip frieren (unpersönlich) und schnyæ ip 1. sg schnyju trocknen (trocken werden)

Die perfektiven Zeitwörter auf -nyæ bringen darüber hinaus die Bedeutung ,einmal kurz` zum Ausdruck, z. B. rìzaæ ip schneiden, sägen; rìznyæ p schneiden (einen Schnitt tun); ka³aæ ip stechen; ka³nyæ p stechen (einen Stich versetzen)

napisaæ p aufschreiben; mazaæ ip schmieren; namazaæ p aufschmieren, anschmieren; pomazka f Schnitte; butra f Butter; stajiæ ip stellen; wotstajiæ p abstellen; padnyæ p fallen; padaæ ip fallen (immer wieder)

Zwuèowanja/Übungen

Übersetze folgende sorbische Sätze ins Deutsche!Beachte dabei die Bedeutungsunterschiede!

1. Jan ze ¹toma do trawy skoèi. -- Hana w zahrod¼e skaka. 2. Jan sej nowe koleso kupi. -- Hana sej kó¾dy d¼eñ knihi kupuje. 3. Jan knihu èita. -- Hana jeno¾ skrótka poèita. 4. Jan papjeru rìza. -- Hana so do porsta rìznje. 5. Jan swoje mjeno na taflu napisa. -- Hana nìtko te¾ hi¾o serbsce pisa. 6. Jan wuèerce prawje wotmo³wi. -- Hana je lóza a wowce stajnje wotmo³wja. 7. Maæerka ma³emu Janej w¹ìdnje pomazki maza. -- Hana pomazku z butru namaza. 8. Jan staji koleso do zahrody. -- Hana swoje koleso pøi sæìnje wotstaji. 9. ®o³ta kru¹wa padnje do trawy. -- We po¾njencu kru¹wy, slowki a jab³uka padaja. 10. Jan stajnje za Hanu hlada. -- Hana w lìsu wulki hrib wuhlada.

5. Die Wörter jedyn ,einer` und ¾adyn ,kein, überhaupt ein` werden wie das schon bekannte hinweisende Fürwort tón ,dieser` gebeugt, bei ¾adyn fällt in allen anderen Formen nicht nur das y, sondern auch das d aus (das gewöhnlich auch bei jedyn nicht gesprochen wird).

männlich weiblich sächlich
Singular
nom.jedyn jedna jedne
gen.jednoho/jedneho jedneje jednoho/jedneho
dat.jednomu/jednemu jednej jednomu/jednemu
ak.jednoho/jedneho/jedyn jednu jedne
ins.z jednym z jednej z jednym
lok.na jednym na jednej na jednym

männlich weiblich sächlich
Singular
nom.¾adyn ¾ana ¾ane
gen.¾anoho/¾aneho ¾aneje ¾anoho/¾aneho
dat.¾anomu/¾anemu ¾anej ¾anomu/¾anemu
ak.¾anoho/¾aneho/¾adyn ¾anu ¾ane
ins.ze ¾anym ze ¾anej ze ¾anym
lok.na ¾anym na ¾anej na ¾anym

6. Die Formen der Mehrzahl von jedyn werden in Verbindung mit Mehrzahlwörtern (pluraletantumy) verwendet, z. B. jedne durje ,eine Tür`. Die Formen der Zweizahl sind regelmäßig, kommen aber sehr selten vor.

{ } { }
nom.jedni/jedne ¾ani/¾ane
gen.jednych ¾anych
dat.jednym ¾anym
ak.jednych/jedne ¾anych/¾ane
ins.z jednymi ze ¾anymi
lok.na jednych na ¾anych

7. In der Bedeutung ,kein` steht ¾adyn mit verneintem Zeitwort, sonst bedeutet es ,überhaupt ein`, z. B. wid¼i¹ tam ¾anoho mu¾a? ,siehst du dort irgendeinen Mann`, nì, ja tam ¾anoho mu¾a njewid¼u ,nein, ich sehe da keinen Mann`.

8. Die meisten einsilbigen männlichen Hauptwörter, die im 1. und 4. Fall der Einzahl ein ó haben, verwandeln dieses in allen anderen Formen in ein o, z. B. dwór ,Hof` -- na dworje ,auf dem Hof`, ¾ ,Messer` -- z no¾om ,mit dem Messer`.

postrowiæ p grüßen; jeli konj falls, wenn; ¾adyn pron kein, irgendein; jasny adj hell; strowiæ ip grüßen; pra¹eæ so ip 1. sg pra¹am so fragen; hdy int wann, wenn; tón pron der, dieser; trochu adw ein wenig, etwas; najprjedy adw zuerst; zwuèowaæ ip üben; dalokoskok m Weitsprung; daloko adw weit; my¹ f Maus; my¹ka f Mäuschen; sotøièka f Schwesterlein, Schwesterchen; ró¾a f Rose; spì¹ny adj schnell; rad¹i adw lieber; kaktus m Kaktus; znaæ so ip 1. sg znaju so sich kennen , sich auskennen ; husty adj dicht, häufig; pra¹enje n Frage; rjejiæ ip schreien; dwór m gen sg dwora Hof; drjewo n Holz; wótry adj scharf; kopaæ ip hacken; rìpa f Rübe; zarjejiæ p aufschreien; pu¹æiæ p fallenlassen, loslassen; truskalca f Erdbeere; wotpisaæ p abschreiben; raz m Mal, einmal; wotpisowaæ ip abschreiben; kocor m gen sg kocora Kater; durje plt Tür; jedyn pron ein, einer; bró¾nja f Scheune; rozbiæ so p 1. sg rozbiju so zerbrechen; pøièina f Grund, Ursache; stupiæ so p sich hinstellen

Zwuèowanja/Übungen

Übersetze:

11. Mó¾e¹ swojeho bratra wote mnje postrowiæ, jeli ¾anoho ma¹. 12. Jasnje, jeli ¾anoho nimam, njemó¾u te¾ ¾anoho strowiæ. 13. Hañ¾a wid¼i, zo Marja jeho knihu èita a so jeje pra¹a: ,,Hdy knihu doèita¹?`` 14. Marja jej praji: ,,Tak zajimawa ta kniha njeje, ja jeno¾ trochu poèitam. Na mojim blid¼e le¾i hi¹æe druha kniha wo njetopyrjach, a tu dyrbju najprjedy pøeèitaæ.`` 15. Èerstwe ca³ty stajnje pola pjekarja B. kupuju, dokel¾ wón jara dobre ca³ty pjeèe. 16. Jana zwuèuje dalokoskok. Dokel¾ ma do³hej noze, mó¾e wona hi¾o jara daloko skoèiæ. 17. Na¹ ma³y Handrij rady my¹e ³óji; d¼ensa chce bì³u my¹ku popadnyæ a z njej swoju ma³u sotøièku Hil¾u mjerzaæ. 18. ,,Dari¹ mi èerwjene ró¾e?``,,Nì, nìtko je tak horco, a to kwìtki spì¹nje wjadnu. Nochce¹ rad¹i kaktus?`` 19. Maæerka dyrbi ze mnu do mìsta, dokel¾ chcu sej ko¹lu kupiæ. Wona so w mìsæe derje znaje, dokel¾ tam husto kupuje. 20. ,,Móze¹ na moje pra¹enje wotmo³wiæ?`` ,,Nì, na twoje h³upe pra¹enja ¾enje njewotmo³wjam.``

21. Die kleinen Mädchen und die kleinen Jungs hüpfen fröhlich im Garten herum und schreien laut. 22. Der Großvater sägt im (auf) Hof Holz, und in der Küche schneidet sich die Großmutter mit einem langen, scharfen Messer in den kleinen Finger der linken Hand. 23. Unser fleißiger Onkel Georg hackt auf eurem Feld Rüben, und dafür gibt euer Pferd unserer Kuh einen Tritt. 24. Tante Jana schreit auf und läßt das große Glas mit Erdbeeren fallen, das sofort zerbricht. 25. Jetzt haben wir zwar keine Erdbeeren, aber Tante Jana und dem Pferd geht es gut. 26. Man (2. Person Einzahl) darf sich nicht hinter ein Pferd stellen. 27. Der dumme Peter möchte bei mir abschreiben. Das ist nicht das erste Mal; er schreibt immer bei mir ab. 28. Euer Kater wird eine Menge Mäuse fangen. Unsere Katze fängt keine Mäuse; sie ist schon alt. 29. Die eine Tür führt in das Haus, die andere Tür in die Scheune.

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